Mit dem Roten Heuler von Stuttgart nach Horb
Am 16. August 2026 ging es für uns mit einem besonderen Zug von Stuttgart nach Horb. Auf dem Programm stand eine Sonderfahrt mit dem Roten Heuler, dem historischen Elektrotriebwagen ET 65, der später als Baureihe 465 geführt wurde.
Ziel war die SVG Eisenbahn-Erlebniswelt in Horb am Neckar. Schon die Anreise war damit ein Teil des eigentlichen Ausflugs, denn der Rote Heuler gehörte jahrzehntelang fest zum Nahverkehr rund um Stuttgart.
Von Stuttgart über die Gäubahn nach Horb
Die Fahrt begann am Stuttgarter Hauptbahnhof. Um 10:46 Uhr setzte sich der historische Triebwagen in Bewegung. Weitere Zustiege waren in Stuttgart-Vaihingen und Böblingen möglich. Anschließend ging es über die Gäubahn weiter nach Horb, wo wir gegen 12:02 Uhr ankamen.




Eine Fahrt im Roten Heuler fühlt sich deutlich anders an als eine Fahrt in einem heutigen Regionalzug. Die Einrichtung stammt aus einer anderen Zeit, die Technik ist während der Fahrt gut zu hören und auch das typische Fahrgeräusch gehört einfach dazu.
Gerade dieses Geräusch ist eines der Markenzeichen des Triebwagens und erklärt auch seinen bekannten Spitznamen.
In Horb endete die Fahrt für die Besucher direkt im Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs. Dort befindet sich heute die SVG Eisenbahn-Erlebniswelt. Schon der Ausstieg zwischen den historischen Bahnanlagen passte hervorragend zum weiteren Programm.
Der Rote Heuler und seine Geschichte
Der ET 65 gehört zu den bekanntesten historischen Fahrzeugen aus dem Stuttgarter Nahverkehr. Zwischen 1933 und 1938 wurden insgesamt 25 Einheiten in drei Serien gebaut. Die Fahrzeuge entstanden bei der Maschinenfabrik Esslingen, während die elektrische Ausrüstung von BBC geliefert wurde.
Ihr Einsatzgebiet war der damals neu elektrifizierte Vorortverkehr rund um Stuttgart. Zu den ersten Strecken gehörten unter anderem die Verbindungen zwischen Esslingen, Stuttgart und Ludwigsburg.
Über viele Jahrzehnte gehörten die roten Triebwagen zum Alltag in der Region. Tausende Pendler fuhren mit ihnen zur Arbeit, zum Einkaufen oder nach Stuttgart. Für viele ältere Eisenbahnfreunde sind die Fahrzeuge deshalb bis heute eng mit Erinnerungen an den früheren Nahverkehr verbunden.
Den Namen „Roter Heuler“ verdanken sie ihrer roten Lackierung und dem auffälligen Geräusch beim Anfahren und Beschleunigen. Wer heute bei einer Sonderfahrt mitfährt, versteht schnell, warum sich dieser Spitzname gehalten hat.
Mit der Umstellung auf das neue Baureihenschema der Deutschen Bundesbahn wurde aus dem ET 65 im Jahr 1968 die Baureihe 465.
Bis 1978 waren die Fahrzeuge noch im planmäßigen Betrieb unterwegs. Mit dem Ausbau der Stuttgarter S-Bahn und dem Einsatz der Baureihe 420 endete ihre reguläre Einsatzzeit.
Der heute für Sonderfahrten erhaltene 465 005 überlebte die Ausmusterung. Nach seiner aktiven Zeit kam das Fahrzeug zunächst zum damaligen Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Später gelangte es wieder zur Schienenverkehrsgesellschaft.
Zwischen 2007 und 2015 war der Triebwagen bereits regelmäßig bei Sonderfahrten zu sehen. Danach wurde es für längere Zeit ruhig um den Roten Heuler. Umso schöner ist es, dass er 2026 nach rund elf Jahren wieder auf die Strecke zurückgekehrt ist.
Bei einem Fahrzeug, das inzwischen mehr als 90 Jahre alt ist, ist das alles andere als selbstverständlich.
Führung durch die SVG Eisenbahn-Erlebniswelt
Nach der Ankunft in Horb ging es zu Fuß weiter in die SVG Eisenbahn-Erlebniswelt. Für die Teilnehmer der Sonderfahrt war eine rund 90-minütige Führung durch das Museum vorgesehen.
Die Erlebniswelt befindet sich auf dem Gelände des früheren Güter- und Rangierbahnhofs von Horb. Ende 2008 wurden die Pläne für das Museum bekannt. Bereits 2009 begannen erste Arbeiten an den Gleisanlagen. Im folgenden Jahr entstand die große Ausstellungshalle. Am 1. Mai 2011 öffnete die Eisenbahn-Erlebniswelt schließlich für Besucher.
Die Größe der Halle fällt sofort auf. Auf rund 8.400 Quadratmetern befinden sich mehrere Gleise mit historischen Eisenbahnfahrzeugen.
Zu sehen sind Lokomotiven, Triebwagen, Reisezugwagen und Güterwagen aus verschiedenen Epochen. Viele Fahrzeuge stammen aus der Zeit der Deutschen Bundesbahn und erinnern an eine Eisenbahn, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch zum täglichen Bild gehörte.
Bei der Führung ging es aber nicht nur um die großen Fahrzeuge. Auch historische Eisenbahntechnik, Signale und weitere Ausstellungsstücke gehören zur Sammlung. Besonders interessant ist das ehemalige Horber Stellwerk, das ebenfalls einen Einblick in die frühere Betriebswelt der Bahn gibt.
Wer sich für Eisenbahngeschichte interessiert, kann hier problemlos mehrere Stunden verbringen. Viele Fahrzeuge kennt man aus alten Fotos, aus Büchern oder vielleicht noch aus eigener Erinnerung. In Horb stehen sie heute unter einem Dach.
Und in unserem Fall begann der Museumsbesuch eigentlich schon in Stuttgart. Schließlich waren wir mit einem historischen Fahrzeug angereist, das selbst längst einen Platz in einem Eisenbahnmuseum verdient hätte.
Rückfahrt nach Stuttgart
Am Nachmittag ging es wieder zurück zum Roten Heuler. Um 16 Uhr begann die Rückfahrt von Horb über Böblingen und Stuttgart-Vaihingen.
Gegen 17:16 Uhr erreichten wir wieder den Stuttgarter Hauptbahnhof.
Damit ging ein rundum passender Eisenbahntag zu Ende. Die Kombination aus Sonderfahrt und Museumsbesuch hat besonders gut funktioniert. Man konnte den Roten Heuler zuerst auf der Strecke erleben und sich anschließend in Horb noch einmal ausführlich mit der Geschichte der Eisenbahn beschäftigen.
Für mich sind genau solche Fahrten der Grund, warum historische Fahrzeuge erhalten werden sollten. Im Museum kann man sie anschauen und ihre Geschichte kennenlernen. Wenn sie noch einmal selbst auf die Strecke gehen, bekommt man einen viel besseren Eindruck davon, wie sich Eisenbahn früher angefühlt und angehört hat.
Und spätestens beim nächsten Anfahren war es wieder da: dieses typische Heulen, das dem Roten Heuler seinen Namen gegeben hat.




























































