Hobbytrain Vectron brummt im DCC-Betrieb
Bei meiner Hobbytrain Vectron in Spur N trat ein Fehler auf, der zunächst wie ein typisches Decoderproblem aussah: Analog lief die Lok völlig sauber, im DCC-Betrieb brummte sie beim Anfahren jedoch nur und setzte sich teilweise gar nicht in Bewegung.
Am Ende lag die Ursache nicht allein an einer CV-Einstellung. Entscheidend war die Kombination aus Motorregelung und Entstörkondensator auf der Lokplatine. Hier zeige ich den kompletten Weg, mit dem ich den Fehler gefunden und behoben habe.
1. Prüfen, ob die Lok analog sauber läuft
Der erste wichtige Hinweis war, dass die Vectron analog völlig problemlos fuhr. Motor, Getriebe und Stromabnahme waren damit grundsätzlich funktionsfähig. Der Fehler musste also sehr wahrscheinlich im Digitalbetrieb beziehungsweise bei der Motoransteuerung liegen.
2. Decoder und CV-Werte auslesen
Als Nächstes habe ich die wichtigsten CV-Werte ausgelesen. Bei mir ergaben sich folgende Werte:
- CV8 = 97
- CV2 = 5
- CV4 = 5
- CV9 = 1
- CV50 = 2
CV8 = 97 zeigt, dass ein Decoder von Doehler & Haass verbaut ist. CV2 und CV50 wirkten zunächst unauffällig. Interessant war dagegen CV9, denn darüber wird bei D&H die Motor-PWM beeinflusst.
3. CV9 von 1 auf 0 ändern
Der erste echte Durchbruch kam mit einer einzigen Änderung. Ich habe CV9 von 1 auf 0 gesetzt. Damit änderte sich die Motoransteuerung von 16 kHz auf 32 kHz. Direkt nach der Änderung lief die Lok plötzlich perfekt. Das Brummen war weg und auch die Langsamfahrt funktionierte sauber. Zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als wäre das Problem vollständig gelöst.
4. Fehler kam nach einiger Zeit wieder
Nach einiger Fahrzeit trat das gleiche Problem jedoch erneut auf. Die Lok brummte wieder beim Anfahren. Auffällig war dabei, dass sie nach einer Pause ohne weitere Änderung plötzlich wieder normal lief. Das war ein wichtiger Hinweis. Eine reine CV-Einstellung konnte kaum die gesamte Ursache sein, wenn der Fehler abhängig von der Betriebsdauer auftrat und nach dem Abkühlen wieder verschwand.
5. Temperatur des Decoders prüfen
Beim nächsten Auftreten des Fehlers habe ich den Decoder kontrolliert. Dabei stellte sich heraus, dass er sehr heiß wurde. Damit war klar, dass die Motorendstufe des Decoders ungewöhnlich stark belastet wurde. An diesem Punkt habe ich die Lok nicht weiter betrieben, um einen Defekt des Decoders zu vermeiden.
6. Motorstrom messen
Um den Motor als Ursache weiter einzugrenzen, habe ich den Motorstrom gemessen. Das Messgerät stand im 10-A-Bereich und zeigte etwa 0,14 A an. Rund 140 mA sind für einen Spur-N-Motor zunächst kein auffälliger Wert. Der Motor selbst war damit eher nicht der Grund dafür, dass der Decoder so heiß wurde.

7. Entstörkondensator auf der Platine prüfen
Damit rückte die Lokplatine in den Mittelpunkt. Auf der Hobbytrain-Platine befinden sich zwei Motordrosseln und ein Entstörkondensator im Motorstromkreis. Genau dieser Kondensator kann bei bestimmten Digitaldecodern die Motorregelung stören. Besonders bei hochfrequenter PWM kann er den Decoder zusätzlich belasten.
Bei Hobbytrain gibt es dazu sogar einen entsprechenden Hinweis, dass der Kondensator abhängig vom verwendeten Decoder entfernt werden kann beziehungsweise muss.
8. Entstörkondensator entfernen
Ich habe den betreffenden Entstörkondensator zwischen den Motorleitungen entfernt. Wichtig dabei: Die beiden Motordrosseln bleiben auf der Platine. Entfernt wird nur der Kondensator, der quer zwischen den Motoranschlüssen liegt.
Das ersten Foto zeigt die Platine mit dem entsprechenden Entstörkondensator. Im zweiten Foto wurde der Kondensator vorsichtig mit einem Lötkolben herausgelöutet und die Platine gereinigt.

Nach dem Entfernen habe ich die Lok wieder aufs Gleis gestellt und vorsichtig getestet.
9. Ergebnis nach dem Umbau
Danach war der Fehler vollständig verschwunden. Die Vectron fährt seitdem sauber an, läuft auch bei niedrigen Fahrstufen ruhig und der Decoder wird nicht mehr auffällig heiß.
Damit war klar, dass der Entstörkondensator die eigentliche Ursache für die starke Belastung des Decoders war. Die Änderung von CV9 hatte das Fahrverhalten zwar zunächst deutlich verbessert, das Problem aber noch nicht dauerhaft beseitigt.
Meine funktionierenden Einstellungen
| CV | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| CV2 | 5 | Anfahrverhalten |
| CV4 | 5 | Bremsverzögerung |
| CV8 | 97 | Doehler & Haass |
| CV9 | 0 | Motor-PWM 32 kHz |
| CV50 | 2 | weiche Motorregelung |
So würde ich bei dem Fehler vorgehen
- Prüfen, ob die Lok analog sauber läuft.
- CV8 auslesen und den Decoderhersteller bestimmen.
- CV2, CV9 und CV50 kontrollieren.
- Bei einem D&H-Decoder testweise CV9 von 1 auf 0 setzen.
- Lok mehrere Minuten fahren und beobachten.
- Prüfen, ob der Decoder ungewöhnlich heiß wird.
- Falls möglich den Motorstrom messen.
- Bei normalem Motorstrom und heißem Decoder den Entstörkondensator auf der Lokplatine prüfen.
- Kondensator entfernen, wenn er sicher identifiziert ist.
- Lok erneut vorsichtig testen und die Temperatur des Decoders kontrollieren.
Fazit
Das Fehlerbild war zunächst etwas irreführend. CV9 = 0 sorgte sofort für deutlich besseres Fahrverhalten und schien das Problem zunächst zu lösen. Erst als die Lok später wieder brummte und der Decoder sehr heiß wurde, zeigte sich die eigentliche Ursache.
Nach dem Entfernen des Entstörkondensators läuft meine Hobbytrain Vectron mit D&H-Decoder nun dauerhaft sauber und der Decoder bleibt kühl. Wer das gleiche Problem hat, sollte daher sowohl die CV-Einstellungen als auch die Entstörung auf der Platine prüfen.
Hinweis: Arbeiten an der Lokplatine erfolgen auf eigene Verantwortung. Wer sich beim Löten oder bei der Identifikation des Bauteils unsicher ist, sollte den Kondensator nicht auf Verdacht entfernen.
