Horb am Neckar ist seit vielen Jahrzehnten eng mit der Eisenbahn verbunden. Die Stadt liegt an wichtigen Strecken in Richtung Stuttgart, Singen, Freudenstadt und Tübingen. Früher gehörte auch ein großer Rangierbahnhof zum Eisenbahnknoten Horb. Nach seiner Aufgabe im Jahr 1979 lagen weite Teile des Geländes lange brach. Seit 2011 wird ein Teil davon wieder für die Eisenbahn genutzt. Auf dem ehemaligen Güter- und Rangierbahnhof entstand die Eisenbahn-Erlebniswelt Horb.
Mehr als 40 historische Fahrzeuge
Das Museumsgelände umfasst rund 77.000 Quadratmeter. Dort werden mehr als 40 historische Schienenfahrzeuge aufbewahrt und ausgestellt. Zur Sammlung gehören Dampflokomotiven, Diesellokomotiven, Elektrolokomotiven und Triebwagen. Außerdem sind verschiedene Personen- und Güterwagen zu sehen.
Schon die Größe vieler Fahrzeuge macht den Rundgang besonders. Eine schwere Dampflokomotive wirkt aus nächster Nähe deutlich eindrucksvoller als auf Fotos oder im Modell. Leitungen, Räder, Stangen und technische Bauteile lassen sich in Ruhe betrachten. Dabei wird sichtbar, wie viel Aufwand früher nötig war, um Menschen und Güter auf der Schiene zu transportieren.
Die Sammlung beschäftigt sich mit mehreren Epochen der deutschen Eisenbahngeschichte. Ein Schwerpunkt liegt auf Fahrzeugen aus der Zeit der Elektrifizierung und den Jahrzehnten des Wirtschaftswunders. Im Bestand befinden sich sowohl erhaltene Einzelstücke als auch Fahrzeuge, die früher für Sonderfahrten eingesetzt wurden. Zu den bekannten Exponaten gehören der elektrische Triebwagen ET 65, der als „Roter Heuler“ bekannt wurde, eine altrote V 60 und eine betriebsfähige Köf II. Auch ein Triebzug der Baureihe 420, der viele Jahre das Bild der Stuttgarter S-Bahn prägte, gehört zur Sammlung.
Eisenbahngeschichte verständlich erklärt
Die Fahrzeuge bilden den Mittelpunkt der Erlebniswelt. Daneben vermittelt eine Ausstellung wichtige Stationen aus mehr als 175 Jahren Eisenbahngeschichte. Schautafeln erklären die Entwicklung des Schienenverkehrs und zeigen, wie das System Eisenbahn funktioniert.
Interessant ist auch das Museumsstellwerk aus dem Jahr 1912. Zusammen mit der Signalsammlung vermittelt es einen Eindruck davon, wie Fahrstraßen gesichert und Zugbewegungen gesteuert wurden. Viele dieser Aufgaben werden heute von moderner Leit- und Computertechnik übernommen. Im historischen Stellwerk wird sichtbar, wie mechanisch und unmittelbar der Bahnbetrieb früher organisiert war.
Für Modellbahnfreunde gibt es eine Schau im Maßstab 1:87. Ein Eisenbahnkino mit 48 Sitzplätzen ergänzt die Ausstellung. Auf einer großen Leinwand werden Filme rund um die Geschichte und Technik der Eisenbahn gezeigt.
Ein passender Ort für die Sammlung
Die Eisenbahn-Erlebniswelt befindet sich an einem Ort, der selbst ein Teil der regionalen Bahngeschichte ist. Auf dem Gelände wurden früher Güterwagen zusammengestellt und Züge für ihre Weiterfahrt vorbereitet. Auch wenn sich das Areal seitdem stark verändert hat, ist der ursprüngliche Charakter noch erkennbar.
Zwischen den Gleisen, Hallen und abgestellten Fahrzeugen entsteht eine Atmosphäre, die sich deutlich von einer gewöhnlichen Ausstellungshalle unterscheidet. Die Lokomotiven stehen in einer Umgebung, die zu ihrer Geschichte passt. Für Eisenbahnfans und Fotografen bieten sich dadurch viele interessante Perspektiven.
Auch Familien können hier einen guten Zugang zur Eisenbahntechnik finden. Kinder sehen die Fahrzeuge aus nächster Nähe und bekommen eine Vorstellung davon, wie groß eine Lokomotive tatsächlich ist. Technische Elemente dürfen teilweise ausprobiert werden. Hebel, Schalter und Bedienelemente zeigen, wie vielfältig die Arbeit auf einer Lok oder in einem Stellwerk war.
Besuch derzeit nur für angemeldete Gruppen
Die Eisenbahn-Erlebniswelt besitzt momentan keine regelmäßigen Öffnungstage für Einzelbesucher. Besuche sind nach vorheriger Anmeldung für Gruppen ab etwa 20 Personen möglich und werden mit einer Führung verbunden. Weitere allgemeine Öffnungstage sind derzeit nicht geplant. Interessierte sollten deshalb vor einer Anreise direkt beim Museum nachfragen und einen Termin vereinbaren.
Die Eisenbahn-Erlebniswelt Horb bewahrt Fahrzeuge und Technik, die über viele Jahrzehnte zum Alltag auf der Schiene gehörten. Gleichzeitig erinnert das Museum an die Bedeutung des ehemaligen Rangierbahnhofs. Wer eine Gruppenführung organisieren kann, bekommt hier einen ungewöhnlich nahen Einblick in die Eisenbahngeschichte Württembergs und Deutschlands.
Weitere Informationen
http://www.eisenbahn-erlebniswelt.de
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