Was bedeutet eigentlich „Einheitslokomotive“ bei der Bundesbahn?
E 10, E 40, E 41 und E 50 sehen sich auf den ersten Blick erstaunlich ähnlich. Das ist kein Zufall. Sie gehören zu den sogenannten Einheits-Elektrolokomotiven der Deutschen Bundesbahn. Doch was genau bedeutet eigentlich „Einheitslokomotive“ und warum entwickelte die Bundesbahn gleich mehrere Baureihen nach einem gemeinsamen Konzept?
Ein neues Lokprogramm für die junge Bundesbahn
Nach dem Zweiten Weltkrieg verfügte die Deutsche Bundesbahn über zahlreiche ältere Elektrolokomotiven unterschiedlicher Herkunft. Baureihen wie die E 44 hatten sich zwar bewährt, doch für den wachsenden Verkehr der 1950er-Jahre wurden neue und leistungsfähigere Lokomotiven benötigt.

Die Bundesbahn wollte dabei möglichst viele Bauteile vereinheitlichen. Das sollte Entwicklung, Beschaffung, Ersatzteilhaltung und Wartung vereinfachen. Anfang der 1950er-Jahre entstand daraus ein neues Typenprogramm für Elektrolokomotiven.
Vier Lokomotiven für unterschiedliche Aufgaben
Aus dem Programm gingen vier wichtige Baureihen hervor. Die E 10 war für schnelle Reisezüge vorgesehen, die E 40 hauptsächlich für den Güterverkehr. Die leichtere E 41 übernahm vor allem Personen- und Nahverkehrszüge. Für besonders schwere Güterzüge entstand schließlich die sechsachsige E 50.
Mit der Einführung der computergerechten Baureihennummern im Jahr 1968 wurden daraus die Baureihen 110, 140, 141 und 150.

Was war an den Lokomotiven einheitlich?
„Einheitlich“ bedeutet dabei keineswegs, dass alle Lokomotiven technisch identisch waren. Viele Baugruppen, konstruktive Lösungen und Bauteile wurden jedoch gemeinsam genutzt oder nach ähnlichen Grundsätzen entwickelt. Besonders eng miteinander verwandt waren E 10 und E 40. Unterschiede bestanden beispielsweise bei Getriebeübersetzung, Bremsausrüstung und vorgesehenem Einsatzgebiet.
Auch äußerlich ist die Verwandtschaft gut zu erkennen. Führerstände, Seitenwände und zahlreiche Details folgen demselben Grundkonzept. Im Laufe der langen Bauzeit entstanden allerdings verschiedene Bauformen, sodass längst nicht jede Einheitslok gleich aussieht.
Die Baureihe 139 als besondere Variante
Ein interessantes Beispiel ist die spätere Baureihe 139. Sie ging aus Lokomotiven der Reihe E 40.11 hervor und verfügte über eine elektrische Widerstandsbremse. Damit eignete sie sich besonders für Strecken mit längeren Gefällen. Äußerlich ist eine 139 deshalb leicht mit einer 140 zu verwechseln.

Gehören BR 103 und BR 111 auch zu den Einheitslokomotiven?
Bei der Baureihe 103 ist die Antwort klar: Sie gehört nicht zum ursprünglichen Einheitslokprogramm. Die schnelle Lok wurde später speziell für den hochwertigen Fernverkehr entwickelt und verfolgte ein anderes technisches Konzept.
Bei der Baureihe 111 ist die Verbindung enger. Sie entstand später und griff auf Erfahrungen und technische Grundlagen der Baureihe 110 zurück. Trotzdem zählt sie nicht zu den vier klassischen Einheits-Elektrolokomotiven der Bundesbahn.

Ein Konzept für mehrere Jahrzehnte
Das Einheitslokprogramm erwies sich als ausgesprochen langlebig. Allein von der E 40 wurden 879 Lokomotiven gebaut. Viele Maschinen der späteren Baureihen 110, 139, 140 und 141 waren noch Jahrzehnte nach ihrer Indienststellung im täglichen Betrieb zu sehen.
Wer heute von den Einheits-Elektrolokomotiven der Deutschen Bundesbahn spricht, meint deshalb in erster Linie die Familie aus E 10, E 40, E 41 und E 50 sowie daraus entstandene Varianten. Sie stehen wie kaum eine andere Lokfamilie für den Wiederaufbau und die Modernisierung des elektrischen Bahnbetriebs in der Bundesrepublik.
