Vorbild

100 Jahre Baureihe 44: Drei Jumbos in Staßfurt

Kaum eine deutsche Dampflok steht so sehr für schwere Güterzüge wie die Baureihe 44. Ihre enorme Zugkraft brachte den Maschinen den bis heute bekannten Spitznamen „Jumbo“ ein. Im Jahr 2026 wird die Baureihe 100 Jahre alt. Beim Herbstlokfest im Traditionsbahnbetriebswerk Staßfurt gibt es deshalb am 26. und 27. September ein besonderes Treffen: Gleich drei erhaltene Lokomotiven der Baureihe 44 werden gemeinsam präsentiert.

Die Baureihe 44 wird 100 Jahre alt

Die Geschichte der Baureihe 44 begann 1926. Die Deutsche Reichsbahn benötigte leistungsfähige Dampflokomotiven für schwere Güterzüge, insbesondere auf Strecken mit größeren Steigungen. Dafür entstand eine Maschine mit fünf miteinander gekuppelten Treibachsen und einem leistungsfähigen Dreizylinder-Triebwerk.

Mit der Achsfolge 1’E h3 gehörte die 44 zu den mächtigsten deutschen Einheitsdampflokomotiven. Vor den fünf Kuppelachsen befindet sich eine Laufachse. Das „h3“ steht für den Betrieb mit Heißdampf und drei Zylindern. Gerade dieses Dreizylinder-Triebwerk war ein wichtiges Merkmal der Baureihe.

Von 1926 bis 1949 entstanden insgesamt 1.989 Lokomotiven. Die große Stückzahl zeigt, welche Bedeutung die Baureihe im Güterverkehr erlangte. Ihre Aufgabe waren schwere Güterzüge, bei denen hohe Zugkraft wichtiger war als Geschwindigkeit.

Warum die Baureihe 44 „Jumbo“ genannt wurde

Der Spitzname „Jumbo“ kommt nicht von ungefähr. Eine Lok der Baureihe 44 brachte ohne Tender rund 110 Tonnen auf die Waage. Ihre fünf angetriebenen Achsen sorgten dafür, dass ein großer Teil dieses Gewichts für die Kraftübertragung auf die Schienen genutzt werden konnte.

  • Bauart: 1’E h3
  • Antrieb: Dreizylinder-Triebwerk
  • Treibraddurchmesser: 1.400 mm
  • Länge über Puffer: rund 22,62 Meter
  • Höchstgeschwindigkeit: 80 km/h
  • Leistung bei Kohlefeuerung: rund 1.910 PS
  • Kesselüberdruck: 16 bar
  • Lokdienstmasse: rund 110 Tonnen

Die Maschinen waren für Lasten ausgelegt, bei denen kleinere Güterzuglokomotiven schnell an ihre Grenzen kamen. Im schweren Güterzugdienst wurden die 44er über Jahrzehnte zu einem vertrauten Bild. Der hohe Dampfbedarf hatte allerdings seinen Preis: Auf einer kohlegefeuerten 44 zu arbeiten, bedeutete für den Heizer erhebliche körperliche Arbeit. Später wurden deshalb auch zahlreiche Maschinen auf Ölfeuerung umgebaut.

Drei Baureihe 44 gemeinsam in Staßfurt

Zum 100. Geburtstag der Baureihe haben sich die Eisenbahnfreunde Staßfurt etwas Besonderes vorgenommen. Während des Herbstlokfests stehen drei erhaltene Jumbos gemeinsam im Traditionsbahnbetriebswerk:

  • 44 1486 aus dem Bestand des Traditionsbahnbetriebswerks Staßfurt
  • 44 1182 aus dem Bestand in Staßfurt
  • 44 0093 als Gastlok aus dem historischen Bahnbetriebswerk Arnstadt

Alle drei Lokomotiven sind derzeit nicht betriebsfähig. Für Eisenbahnfans dürfte das Zusammentreffen trotzdem eines der interessantesten Motive des Wochenendes werden. Drei erhaltene Vertreter einer inzwischen 100 Jahre alten Güterzuglok-Baureihe nebeneinander sieht man schließlich nicht jeden Tag.

44 1486: Der Staßfurter Jumbo

Besonders eng mit Staßfurt verbunden ist 44 1486. Die Lok war über viele Jahre betriebsfähig und mit Sonderzügen unterwegs. Im September 2019 lief ihre Betriebserlaubnis aus. Seitdem bemüht sich der Verein darum, die Maschine langfristig wieder betriebsfähig aufarbeiten zu können.

Herbstlokfest Staßfurt am 26. und 27. September 2026

Die drei Jumbos sind der Mittelpunkt des diesjährigen Herbstlokfests, das Programm geht aber deutlich darüber hinaus. Erwartet werden weitere historische Dampf- und Diesellokomotiven. Angekündigt sind unter anderem die Dampflokomotiven 41 1144 und 52 8079 sowie verschiedene Dieselfahrzeuge.

Für Fotografen interessant ist ein Fotogüterzug. Außerdem sind Führerstandsmitfahrten auf Dampf- und Diesellokomotiven, historische Schienen- und Straßenfahrzeuge, eine Modelleisenbahnausstellung sowie eine Modellbahn- und Sammlerbörse vorgesehen.

Termin und Öffnungszeiten

  • Samstag, 26. September 2026: 9:00 bis 18:00 Uhr
  • Einlass für Fotofreunde am Samstag: bereits ab 8:00 Uhr
  • Sonntag, 27. September 2026: 9:00 bis 17:00 Uhr
  • Ort: Traditionsbahnbetriebswerk / Lokschuppen Staßfurt, Güstener Weg, 39418 Staßfurt

Eintritt

  • Erwachsene: 15 Euro
  • Ermäßigt: 12 Euro
  • Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre: Eintritt frei
  • Führerstandsmitfahrten: 3 Euro, ermäßigt 2 Euro
  • Parkplatz: 1 Euro

Praktisch für die Anreise mit der Bahn: Vom Bahnhof Staßfurt fährt während des Lokfests stündlich ein historischer Pendeltriebwagen zum Vereinsgelände. Die Fahrt ist im Eintrittspreis enthalten.

Mit dem historischen Sonderzug zum Lokfest

Eine besondere Anreisemöglichkeit bietet der Verein ebenfalls an. An beiden Tagen fährt der historische „TAXI“-Sonderzug auf einer Rundfahrt über Güsten, Aschersleben, Halberstadt, Oschersleben, Magdeburg und Schönebeck nach Staßfurt. Dabei kommen unter anderem die Dampflok 41 1144, die Diesellok 120 274 und V100 003 zum Einsatz. Im Fahrpreis ist der Eintritt zum Lokfest bereits enthalten.

Ein seltenes Treffen für Dampflokfans

Auch ohne betriebsfähige Baureihe 44 dürfte sich das Herbstlokfest 2026 für Dampflokfans lohnen. Das Zusammentreffen von 44 1486, 44 1182 und 44 0093 verbindet das Jubiläum einer bedeutenden Lokomotivbaureihe mit einem historischen Bahnbetriebswerk, das selbst zahlreiche originale Fahrzeuge und Anlagen erhalten hat.

Wer die schweren Güterzuglokomotiven aus der Nähe sehen oder fotografieren möchte, sollte sich deshalb den 26. und 27. September 2026 vormerken. Gerade zum 100. Geburtstag dürfte das gemeinsame Auftreten der drei Jumbos zu den besonderen Dampflokterminen des Jahres gehören.

Weitere Informationen und aktuelle Hinweise zum Programm gibt es direkt beim Lokschuppen Staßfurt.


Bild 1: Die Baureihe 44 gehört zu den bekanntesten schweren Güterzug-Dampflokomotiven Deutschlands. Zum Jubiläum treffen in Staßfurt gleich drei erhaltene Maschinen aufeinander.

Foto: Rainerhaufe, Wikimedia Commons, Lizenz: Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany (CC BY-SA 3.0 DE). Quelle: Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE. Bei Veränderungen am Bild: Bildbearbeitung/Bildausschnitt durch Gleismomente.de.

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