Die 139 314-9 der BayernBahn ist ein schönes Beispiel dafür, dass die alten Einheits-Elektrolokomotiven der Deutschen Bundesbahn noch lange nicht verschwunden sind. Die grüne Maschine stammt aus dem Jahr 1964 und kann auf eine inzwischen mehr als 60-jährige Geschichte zurückblicken.
Gebaut wurde die Lok von Krauss-Maffei und Siemens-Schuckertwerke. Am 3. September 1964 erfolgte die Abnahme bei der Deutschen Bundesbahn. Damals trug sie noch ihre ursprüngliche Bezeichnung E 40 1314. Mit Einführung der computergerechten Baureihennummern wurde daraus 1968 die heutige 139 314-9.
Warum aus der E 40 eine Baureihe 139 wurde
Die Baureihe 139 ist eng mit der bekannten E 40 beziehungsweise der späteren Baureihe 140 verwandt. Eine Besonderheit machte sie jedoch für anspruchsvolle Strecken besonders geeignet: Die als E 40.11 bezeichneten Maschinen erhielten eine elektrische Widerstandsbremse.
Diese Technik wurde vor allem auf Strecken mit starken Gefällen benötigt. Zu den bekanntesten Einsatzgebieten gehörte die Höllentalbahn im Schwarzwald. Beim Bergabfahren konnte die elektrische Bremse einen großen Teil der Bremsarbeit übernehmen und damit die mechanischen Bremsen des Zuges entlasten.
Auch 139 314-9 verbrachte einen Teil ihres langen Arbeitslebens im Südwesten. Von 1975 bis 1986 war sie beim Bahnbetriebswerk Offenburg stationiert. Später führten ihre Einsatzorte unter anderem über Mannheim und München bis zum Rangierbahnhof Nürnberg.
Technische Daten der BR 139 314-9
| Ursprüngliche Nummer | E 40 1314 |
| Baujahr | 1964 |
| Hersteller | Krauss-Maffei / SSW |
| Achsfolge | Bo’Bo‘ |
| Länge über Puffer | 16.490 mm |
| Höchstgeschwindigkeit | 110 km/h |
| Leistung | rund 3.700 kW |
| Fahrmotoren | 4 |
| Stromsystem | 15 kV Wechselstrom |
| Besonderheit | elektrische Widerstandsbremse |
Die Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h zeigt bereits, wofür die Lok gedacht war. Bei schweren Güterzügen stand weniger die Geschwindigkeit im Vordergrund. Wichtiger waren Zugkraft, Zuverlässigkeit und robuste Technik.
Von der Deutschen Bahn zur BayernBahn
Im Juli 2016 wurde 139 314-9 bei der Deutschen Bahn abgestellt. Damit hätte ihre Geschichte durchaus enden können. 2023 übernahm jedoch die BayernBahn GmbH aus Nördlingen die Maschine.
Ursprünglich war vorgesehen, die Lok als Ersatzteilspender zu verwenden. Stattdessen fiel die Entscheidung, sie wieder betriebsfähig herzurichten. Die technische Aufarbeitung erfolgte unter anderem in Seelze. Anschließend erhielt die Lok in Saarbrücken wieder ihre markante chromoxidgrüne Lackierung.
Seit 2024 ist 139 314-9 wieder betriebsfähig. Damit ist die Lok heute weit mehr als ein reines Museumsstück. Sie kommt weiterhin bei Sonderfahrten und historischen Eisenbahnveranstaltungen auf die Strecke.
Im Mai 2026 war sie beispielsweise bei der Veranstaltung „Bundesbahn im Ries“ rund um Nördlingen vor Sonderzügen unterwegs. Im Juni brachte sie gemeinsam mit der historischen E 44 1170 einen Zug von Nördlingen nach Seebrugg. Im Sommer 2026 wurde die Lok außerdem auf der Dreiseenbahn eingesetzt.
Ein Stück Bundesbahn, das weiterfährt
Gerade das macht 139 314-9 heute so interessant. Die Lok zeigt noch sehr deutlich die klassische Formensprache der Einheitslokomotiven der Deutschen Bundesbahn. Dazu gehören die abgerundeten Führerstände, die großen Lüftergitter an den Seiten und die klassischen Scherenstromabnehmer.
Nach mehr als sechs Jahrzehnten ist sie weiterhin auf deutschen Gleisen unterwegs. Eisenbahnfans haben damit die seltene Gelegenheit, eine Lok aus der großen Zeit der Bundesbahn nicht nur im Museum zu betrachten, sondern weiterhin vor einem Zug zu erleben.
