Was war eine Köf und warum gab es sie fast überall?
Wer alte Bahnhöfe, Güteranlagen oder Bahnbetriebswerke auf Fotos anschaut, entdeckt sie immer wieder: kleine Diesellokomotiven mit kurzem Vorbau und einfachem Führerhaus. Gemeint sind die Köf-Lokomotiven. Sie waren über viele Jahrzehnte ein alltäglicher Bestandteil der Eisenbahn und standen oft dort im Einsatz, wo große Lokomotiven viel zu aufwendig gewesen wären.
Wofür steht eigentlich „Köf“?
Die Bezeichnung Köf beschreibt bereits ziemlich genau, um was für eine Lok es sich handelt. Das „K“ steht für Kleinlokomotive. Das „ö“ weist auf einen Dieselmotor hin und das „f“ auf eine Flüssigkeitsübertragung der Kraft.
Es gab allerdings verschiedene Kleinlokomotiven und auch andere Bezeichnungen. Im normalen Sprachgebrauch wurde „Köf“ mit der Zeit fast zum Sammelbegriff für die kleinen Rangierlokomotiven.
Warum brauchte die Bahn so kleine Lokomotiven?
Früher besaßen viele Bahnhöfe Güterschuppen, Ladegleise, Firmenanschlüsse und kleine Rangierbereiche. Dort mussten einzelne Wagen bewegt, Wagengruppen zusammengestellt oder Güterwagen an einen Anschluss gebracht werden.
Dafür jedes Mal eine große Dampflok oder später eine große Diesellok einzusetzen, wäre unwirtschaftlich gewesen. Eine Köf war kleiner, sparsamer und einfacher zu bedienen. Für kurze Rangierarbeiten reichte ihre Leistung völlig aus.
Die Köf war ein echtes Arbeitstier



Typische Aufgaben waren das Verschieben von Güterwagen, das Bereitstellen von Wagen am Güterschuppen oder das Rangieren in Bahnbetriebswerken. Auch in Industriebetrieben und größeren Werkstätten kamen solche Kleinlokomotiven zum Einsatz.
Ihre geringe Größe war dabei ein Vorteil. Sie konnte auf kurzen Gleisen arbeiten und benötigte deutlich weniger Platz als eine große Rangierlok.
Warum gab es Köf-Lokomotiven fast überall?
Der Güterverkehr war früher viel stärker in der Fläche verteilt als heute. Auch kleinere Bahnhöfe erhielten einzelne Güterwagen. Unternehmen hatten eigene Gleisanschlüsse und selbst an kleinen Stationen gab es häufig Ladegleise.
Genau für diese vielen kleinen Rangieraufgaben war die Köf ideal. Deshalb wurden die Kleinlokomotiven in großer Zahl beschafft und über das gesamte Netz verteilt. Viele Eisenbahner kamen im Laufe ihres Berufslebens mit ihnen in Berührung.
Köf II und Köf III
Besonders bekannt sind heute die Köf II und die größeren Köf III. Die Köf II stammt noch aus der Zeit vor der Deutschen Bundesbahn und wurde später in großer Zahl weiter eingesetzt. Die leistungsstärkere Köf III entstand für schwerere Rangieraufgaben.
Mit der Einführung der computergerechten Baureihennummern bekamen viele dieser Lokomotiven neue Nummern. Aus verschiedenen Köf-Typen wurden unter anderem die Baureihen 323, 332, 333 und 335.
Warum verschwanden viele Köf?


Mit dem Rückgang des örtlichen Güterverkehrs verschwanden viele der Aufgaben, für die die Köf gebaut worden war. Güterschuppen wurden geschlossen, Ladegleise abgebaut und zahlreiche Firmenanschlüsse nicht mehr bedient.
Damit wurden auch viele Kleinlokomotiven überflüssig. Einige blieben jedoch bei Industriebetrieben, Museumsbahnen und Eisenbahnvereinen erhalten.
Kleine Lok, große Bedeutung
Die Köf war keine spektakuläre Schnellzuglok und zog auch keine schweren Fernzüge. Trotzdem gehörte sie jahrzehntelang zum täglichen Bahnbetrieb. Ohne diese kleinen Lokomotiven wäre das Rangieren an unzähligen Bahnhöfen und Anschlüssen deutlich aufwendiger gewesen.
Heute erinnert eine erhaltene Köf deshalb an eine Zeit, in der selbst kleine Bahnhöfe noch regelmäßig Güterwagen bekamen und auf vielen Neben- und Ladegleisen täglich rangiert wurde.
