Rangierbahnhof Kornwestheim: Ablaufberg, Güterzüge und Rangierbetrieb erklärt
Der Rangierbahnhof Kornwestheim gehört zu den spannendsten Eisenbahnanlagen im Raum Stuttgart. Wer sonst hauptsächlich Personenzüge, S-Bahnen oder durchfahrende Güterzüge sieht, bekommt hier einen ganz anderen Teil des Bahnbetriebs zu Gesicht. Wagen werden sortiert, neue Züge zusammengestellt und Rangierloks bewegen sich ständig zwischen den verschiedenen Gleisgruppen.
Bei unserem Besuch haben wir uns vor allem den Bereich rund um den Ablaufberg angesehen. Von der Großen Pflugfelder Brücke hat man einen sehr guten Blick auf große Teile der Anlage und kann viele Rangierbewegungen aus sicherer Entfernung beobachten.

Ein riesiges Gleisfeld mitten in Kornwestheim
Schon beim ersten Blick von oben wird deutlich, welche Dimensionen der Rangierbahnhof hat. Gleis neben Gleis zieht sich die Anlage durch Kornwestheim. Dazwischen stehen Güterwagen, Rangierloks und komplette Wagengruppen. Einige Gleise dienen der Einfahrt, andere der Sortierung und wieder andere der späteren Zugbildung.
Der Rangierbahnhof entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und entwickelte sich zu einem wichtigen Knotenpunkt für den Güterverkehr im Südwesten. Bis heute prägen die ausgedehnten Bahnanlagen das Stadtbild.

Der Ablaufberg als Herzstück des Rangierbetriebs
Besonders interessant ist der Ablaufberg. Das Prinzip dahinter ist einfach, in der Praxis aber beeindruckend. Güterwagen müssen im Rangierbahnhof neu sortiert werden, damit später Züge mit einem gemeinsamen Ziel entstehen können.
Dazu wird eine Wagengruppe von einer Rangierlok langsam in Richtung Ablaufberg geschoben. Am höchsten Punkt werden einzelne Wagen oder kleinere Wagengruppen voneinander getrennt. Anschließend rollen sie durch die Schwerkraft auf die dahinterliegenden Gleise.

Weichen verteilen die Wagen
Hinter dem Ablaufberg beginnt eine weit verzweigte Weichenstraße. Jeder Wagen muss auf genau das Gleis geleitet werden, auf dem die Fahrzeuge für den späteren Zug gesammelt werden.

Von oben lässt sich dieser Bereich besonders gut erkennen. Die vielen Weichen, Kreuzungen und parallel verlaufenden Gleise zeigen, wie komplex der Ablauf hinter einem scheinbar einfachen Rangiermanöver ist.
Gleisbremsen kontrollieren die Geschwindigkeit
Ein frei rollender Güterwagen darf natürlich nicht ungebremst auf bereits stehende Wagen treffen. Deshalb befinden sich im Ablaufbereich Gleisbremsen, die die Geschwindigkeit reduzieren. Je nach Gewicht und Geschwindigkeit des Wagens wird dieser kontrolliert abgebremst.

Rangierloks im Dauereinsatz
Ohne Rangierlok funktioniert der Ablauf natürlich nicht. Während unseres Besuchs waren immer wieder Lokomotiven zwischen den Wagengruppen unterwegs. Sie ziehen und schieben Wagen, bringen Gruppen zum Ablaufberg oder stellen bereits sortierte Wagen neu zusammen.

Gerade mit einem Teleobjektiv lassen sich von der Brücke viele interessante Details aufnehmen. Dazu gehören Kupplungen, Rangiersignale, verschiedene Güterwagenbauarten und die Maschinen selbst.
Vom einzelnen Wagen zum neuen Güterzug
Am Ende des Ablaufvorgangs stehen auf den Richtungsgleisen neu zusammengestellte Wagengruppen. Aus Wagen, die mit unterschiedlichen Zügen nach Kornwestheim gekommen sind, können später neue Güterzüge entstehen.

Genau dieser Ablauf macht einen Rangierbahnhof so interessant. Während ein normaler Güterzug meist nur für wenige Sekunden vorbeifährt, kann man hier beobachten, wie der Zug überhaupt entsteht.
Die Große Pflugfelder Brücke als Aussichtspunkt
Für einen Blick auf den Rangierbahnhof ist die Große Pflugfelder Brücke besonders interessant. Sie führt direkt über einen Teil der Gleisanlagen und bietet eine erhöhte Perspektive auf den Rangierbetrieb.

Wer fotografieren möchte, sollte etwas Zeit mitbringen. Der Betrieb läuft nicht ständig gleichmäßig. Zwischendurch kann es ruhig sein, wenige Minuten später werden wieder ganze Wagengruppen bewegt. Ein Teleobjektiv ist für viele Motive hilfreich, für Übersichtsaufnahmen reicht dagegen eine deutlich kürzere Brennweite.
Mehr als nur ein Güterbahnhof
Ein Besuch in Kornwestheim zeigt sehr schön, wie viel Technik und Organisation hinter dem Güterverkehr steckt. Ablaufberg, Weichenstraßen, Gleisbremsen und Rangierloks greifen ineinander, bevor ein neuer Zug den Bahnhof wieder verlassen kann.
Für Eisenbahnfans aus dem Raum Stuttgart ist der Rangierbahnhof deshalb ein spannendes Ziel. Besonders von der Pflugfelder Brücke lässt sich ein Bereich beobachten, den man an vielen anderen großen Güterbahnhöfen nur schwer einsehen kann.

