Vorbild

Mit dem „Stäffelesrutscher“ unter Volldampf rund um Stuttgart

Am 23. November 2025 wurde eine gewöhnliche Fahrt zum Stuttgarter Hauptbahnhof für uns zu einer kleinen Zeitreise. An diesem Sonntag waren wir mit GleisGlück und dem historischen Sonderzug „Stäffelesrutscher“ unterwegs. Die rund dreistündige Stadtrundfahrt führte über zahlreiche Bahnstrecken rund um Stuttgart, darunter Abschnitte, die man als normaler Fahrgast nur selten oder gar nicht befährt.

Im Mittelpunkt standen zwei beeindruckende Lokomotiven. Die Dampflok 58 311 und die historische Elektrolokomotive E94 088 begleiteten den Zug gemeinsam durch die Region. Schon bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof war klar, dass uns eine besondere Fahrt erwartete.

Zwei historische Lokomotiven vor einem Museumszug

Die Dampflok 58 311 wurde 1921 bei der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe gebaut. Ursprünglich entstand diese Baureihe für den schweren Güterzugdienst. Auch mehr als 100 Jahre später vermittelt die Lok noch einen guten Eindruck davon, welche Kraft und Technik für den Betrieb einer solchen Maschine notwendig waren.

Am anderen Ende des Zuges befand sich die E94 088. Die 1943 gebaute Altbau-Elektrolokomotive gehört zu den markantesten deutschen Elektrolokomotiven. Wegen ihrer langen Vorbauten und ihrer Gelenkbauweise trägt die Baureihe den bekannten Spitznamen „Deutsches Krokodil“. Die Lok wurde von Siemens-Schuckert und Krauss-Maffei gebaut.

Zur Zugbildung gehörten historische Eilzugwagen aus den 1950er-Jahren. Ergänzt wurde der Museumszug durch zweiachsige Wagen aus den 1920er-Jahren. Gerade diese älteren Wagen vermittelten mit ihrer einfachen Ausstattung und der klassischen Holzklasse ein Reisegefühl, das im heutigen Bahnverkehr vollständig verschwunden ist.

Im Wagen hörte man das regelmäßige Klackern der Räder. Beim Anfahren arbeiteten sich die Kupplungen hörbar durch den Zug. Durch die Fenster zog das heutige Stuttgart vorbei, während man selbst in einem Zug saß, der aus einer anderen Zeit zu stammen schien.

Von Stuttgart nach Waiblingen

Die Rundfahrt begann am Stuttgarter Hauptbahnhof. Auf dem ersten Abschnitt führte die Dampflok 58 311 den Zug über Bad Cannstatt in Richtung Waiblingen. Dort musste der Zug seine Fahrtrichtung wechseln.

Solche Richtungswechsel waren ein fester Bestandteil der Stadtrundfahrt. Da sich die beiden Lokomotiven an den Enden des Zuges befanden, wechselten sie sich während der Fahrt mit der Zugführung ab. In Waiblingen übernahm die E94 088. Sie zog den Museumszug anschließend über die Güterumgehungsbahn bei Fellbach nach Stuttgart-Untertürkheim.

Für Eisenbahnfreunde war bereits dieser Abschnitt interessant. Die Gütergleise rund um Stuttgart liegen häufig abseits der bekannten Personenverkehrsstrecken. Aus dem historischen Zug heraus konnten wir Betriebsanlagen, Abzweigungen und Gleisverbindungen sehen, die bei einer normalen Fahrt mit Regionalbahn oder S-Bahn kaum auffallen.

Über die Schusterbahn nach Ludwigsburg

In Untertürkheim wurde erneut die Fahrtrichtung gewechselt. Nun setzte sich die Dampflok wieder an die Spitze der Fahrt. Der Zug fuhr weiter über die sogenannte Schusterbahn in Richtung Kornwestheim.

Ein besonderer Moment war die Fahrt über das König-Wilhelm-Viadukt in Stuttgart-Münster. Das historische Eisenbahnviadukt überspannt das Neckartal und gehört zu den markantesten Bauwerken entlang dieser Strecke. Aus dem Zug bot sich ein ungewohnter Blick auf Stuttgart, den Neckar und die umliegenden Stadtteile.

Anschließend führte die Route durch den Bereich des Rangierbahnhofs Kornwestheim. Der weitläufige Güterbahnhof mit seinen zahlreichen Gleisen und Betriebsanlagen ist aus einem Museumszug noch einmal interessanter. Zwischen modernen Güterwagen, Rangiergleisen und Oberleitungen wirkte die Dampflok wie ein Besucher aus einer vergangenen Epoche.

Von Kornwestheim ging es weiter nach Ludwigsburg. Dort stand der nächste Fahrtrichtungswechsel an. Die E94 088 übernahm wieder die Führung und zog den Zug über eine Güterstrecke in Richtung Korntal.

Mit Dampf über die Panoramabahn

In Korntal wechselte die Fahrtrichtung ein weiteres Mal. Nun lag einer der schönsten Abschnitte der Rundfahrt vor uns. Mit der Dampflok an der Spitze ging es über Zuffenhausen und Stuttgart Nord auf die Panoramabahn.

Die Strecke windet sich oberhalb des Stuttgarter Talkessels in Richtung Westbahnhof und Vaihingen. Dabei gewinnt sie spürbar an Höhe. Für die Dampflok bedeutete die Steigung ordentlich Arbeit. Das war im Zug deutlich zu hören. Das kräftige Auspuffgeräusch wurde schneller, während außerhalb der Fenster große Dampfwolken über den Wagen hinwegzogen.

Gerade bei den kalten Temperaturen an diesem Novemberwochenende entwickelte die Lok besonders viel sichtbaren Dampf. Auch entlang der Strecke warteten zahlreiche Fotografen auf den historischen Zug. Der „Stäffelesrutscher“ war an beiden Tagen sehr gut ausgelastet.

Zwischen den Häusern öffnete sich immer wieder der Blick auf den Stuttgarter Talkessel. Diese Aussicht gehört zu den Besonderheiten der Panoramabahn. Man sieht die Stadt aus einer Perspektive, die vielen Stuttgartern trotz der zentralen Lage der Strecke kaum bekannt ist.

In Stuttgart-Vaihingen wurde ein letztes Mal die Fahrtrichtung gewechselt. Von dort brachte die E94 088 den Zug zurück zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Damit endete eine Runde, die uns über Waiblingen, Untertürkheim, Münster, Kornwestheim, Ludwigsburg, Korntal und die Panoramabahn geführt hatte.

Eisenbahngeschichte als Familienerlebnis

Für uns war die Fahrt besonders schön, weil wir historische Eisenbahn gemeinsam als Familie erleben konnten. Eine Dampflok auf einem Foto oder in einem Museum anzuschauen, ist interessant. Während der Fahrt wird die alte Technik jedoch lebendig.

Man hört, wie die Lok arbeitet. Man spürt das Anfahren der schweren Wagen. An den Bahnhöfen riecht es nach Dampf, Kohle und warmem Öl. Selbst die Türen und Sitze der historischen Wagen erinnern daran, wie anders Bahnreisen früher gewesen sein müssen.

Auch für Kinder ist eine solche Sonderfahrt gut geeignet. Die Größe der Dampflok, die sichtbaren Dampfwolken und das tiefe Geräusch beim Anfahren hinterlassen einen stärkeren Eindruck als eine reine Fahrzeugausstellung. Gleichzeitig dauert die Rundfahrt lange genug, um die verschiedenen Lokomotiven und Strecken zu erleben, ohne dass ein ganzer Reisetag notwendig ist.


Unser Fazit zum Stäffelesrutscher

Der „Stäffelesrutscher“ war für uns eine gelungene Verbindung aus Stadtrundfahrt und historischer Eisenbahnfahrt. Die ungewöhnliche Route zeigte, wie vielfältig das Bahnnetz rund um Stuttgart ist. Viele der befahrenen Strecken kennt man aus dem Alltag kaum.

Die Kombination aus Dampflok 58 311, E94 088 und den historischen Reisezugwagen machte die Fahrt besonders abwechslungsreich. Durch die regelmäßigen Fahrtrichtungswechsel konnten beide Lokomotiven ihre Stärken zeigen. Den nachhaltigsten Eindruck hinterließ bei uns die Fahrt mit der arbeitenden Dampflok über die Panoramabahn.

Solche Sonderfahrten zeigen, wie wichtig die Arbeit der Vereine und Betreiber hinter den historischen Fahrzeugen ist. Nur durch viel ehrenamtlichen Einsatz können Lokomotiven und Wagen betriebsfähig erhalten werden. Für uns war der 23. November 2025 deshalb weit mehr als eine Rundfahrt um Stuttgart. Wir konnten Eisenbahngeschichte erleben, während sie sich aus eigener Kraft über die Gleise bewegte.

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